Abteilung Physik

Forschungsgruppe
"Optische Fernmessung - Untersuchung atmosphärischer Prozesse mit optischen Methoden"

PRD - PEARL RIVER DELTA EXPERIMENT


Motivation

Als Teil der intensiven Pearl-River-Delta-Messkampagne (kurz: PRD, 2004) wurden Ramanlidar- und Sonnenphotometerbeobachtungen im Zeitraum Oktober bis November 2004 zur Charakterisierung optischer Eigenschaften von anthropogenem Dunst in der südchinesischen Küstenprovinz Guangdong durchgeführt. Als Messort wurde Xinken (22.6° N, 113.6° W) ausgewählt, das direkt am Delta des Perlenflusses ca. 80 km nordwestlich des Stadtzentrums von Hongkong, 60 km südwestlich von Guangzhou und 50 km westlich von Shenzen liegt. Die Provinz Kanton ist eine der Regionen Chinas mit dem schnellsten Wirtschaftswachstum. 40 bis 50 Millionen Menschen haben in der Region um das Perlenflussdelta (mit einer Fläche von 250 km x 250 km) an der Südküste Chinas ihr Zuhause.

Das Ramanlidar Polly vor dem Aerosolcontainer

Das Ramanlidar Polly vor dem Aerosolcontainer für In-situ-Aerosolmessungen des IfT in Xinken, China (Foto: Th. Tuch, 2004)



Die chemische Zusammensetzung der Aerosole in der Region (einschließlich Hongkong) wurde erst kürzlich detailliert analysiert. Der Dunst besteht hauptsächlich aus Partikeln vom Verbrauch fossiler Brennstoffe und der Verbrennung von Biomasse. Kleinere Beiträge resultieren aus regionalen und Ferntransporten von Staub (einschließlich Straßenstaub) und Land-Seewind-Zirkulationseffekten (maritime Partikel).
Die klimarelevanten optischen Eigenschaftfen des Dunstes, einer Mischung von jungen und gealterten Partikeln, wurden bis jetzt noch nicht quantifiziert. Allgemeine säulenintegrierte und höhenaufgelöste Messungen von optischen Aerosoleigenschaften in der subtropischen Region Ostasiens sind sehr begrenzt. Solche Beobachtungen werden dennoch dringend für eine realistische Abschätzung der klimatischen Einflüsse gegenwärtiger und zukünftiger Aerosolverschmutzungen in Ostasien benötigt.

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Messungen

Während des PRD-Experiments wurden Messungen der optischen Eigenschaften von Aerosolen in China durchgeführt. Das transportable Ramanlidar Polly misst Extinktions- und Rückstreukoeffizienten der Partikel getrennt, und gibt deshalb ein entsprechendes Extinktions-Rückstreu-Verhältnis bei einer Wellenlänge von 532 nm bei Nacht an.
Am Tag, wenn keine Ramansignale ausgewertet werden können, liefert das Lidar Profile des Partikelrückstreukoeffizienten. Das automatische Sonnenphotometer zeichnet kontinuierlich optische Dicken der Aerosole mit einer hohen spektralen Auflösung bei Tag (ca. 10 Aerosolkanäle) von 351 - 1063 nm auf. Die Unsicherheiten bei der Bestimmung der optischen Dicke liegen in der Größenordnung von 0.01 - 0.03.



Entfernungs- und hintergrundkorrigiertes Signal bei 532 nm,
Messung in Xinken, China, am 23. Oktober 2004;
die Grenzschichthöhe (bestimmt mit einer Wavelet-Analysetechnik) ist angezeigt
(Klicken Sie auf die Grafik für eine Vergrößerung!)

Diskussion

Die Ramanlidar- und Sonnenphotometermessungen zeigten hohe Werte der optischen Dicke von im Mittel  0.91 bei einer Wellenlänge von 532 nm. Es wurden säulengemittelte Partikelextinktionskoeffizienten von bis zu 0.8 km-1 in der Dunstschicht gefunden, die sich bis zu 1.5 - 3 km Höhe erstreckte. Lidarverhältnisse (hauptsächlich 40 - 60 sr) und Angströmexponenten (um 1 für 381 - 502 nm und 1.2 für 502 -1046 nm) zeigen vergleichsweise große und beträchtlich absorbierende Partikel (effektive Radien von ca. 0.3 µm, Einfachstreu-Albedo von 0.85 - 0.9), die hauptsächlich aus industriellen und Biomassenverbrennungsemissionen stammen. Die beobachtete hohe optische Dicke der Aerosole in der Kantonprovinz, eine der chinesischen Zentren mit dem schnellsten Wirtschaftswachstum, steht im Einklang mit dem erwarteten Verschmutzungstrend von 1960 bis 2005, welcher aus Messungen der optischen Dicke von 1960 -1990 abgeleitet wurde.

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Letzte Änderung: 2005-12-21